GESCHICHTE DES HOTELS

Ein Gebäude weiß viele Geschichten zu erzählen, Geschichten, von denen, die es einst bewohnten, von denen, die es erbaut haben. Geschichten davon, was es verkörpert oder verkörperte, von denen, die dort nur kurz verweilten oder die es nicht eintreten konnten.

Das Hotel Florenz auf einem alten Foto, als es ein Kloster mit einer Kirche war.

Die Geschichte unseres Hotel führt uns auf eine Reise weit zurück in eine Zeit, in der es Finale Ligure noch nicht gab, nur die drei Schwestern Finalpia, Finalmarina und Finalborgo (so eine Art kleine Kommunen, jedoch feudalistisch organisiert). Sie berichtet uns davon, als an dem heutigen Standort noch bewirtschaftete Felder waren und die Straße, die jetzt Finalmarina und Finalborgo verbindet noch eine Schotterstraße war, auf der einst zahlreiche Soldaten, Händler, Pilgerer, Adlige, Markgrafen, Könige und Königinnen vorbeizogen. 1200 ließ Enrico Marquis Del Carretto, Herrscher in Finale, das “Brurgum Finarii” erschaffen, wahrscheinlich  auf der Basis eines schon bestehenden Kerns, Castel Gavone, wo er seine eigene Residenz errichtete.

Das “Brurgum Finarii” repräsentierte das politische, Justiz- und Handelszentrum des Markgrafentums. Doch es ist die geografische Lage von Finale, die seine Geschichte auch aus politischer Sicht so interessant macht. Seit 1578 durchquerten die spanischen Truppen, die in die Niederlande entsandt wurden, um die Aufständischen niederzuschlagen, das Gebiet um Finale, in Richtung Flandern. Dieser Weg stellte für sie eine sichere und strategisch günstige Alternative zum Seeweg dar, der häufig durch französische, englische und holländische Flotten versperrt war. Die Verpflegung, die Truppenverstärkung und das Geld für die spanische Armee im Einsatz gegen die Rebellen wurde Richtung Mittelmeer versandt.

Von Barcelona über den Seeweg erreichten die Truppen die ligurische Küste, von wo aus sie über den Landweg nach Mailand gelangten, wo sie ausgerüstet, bewaffnet und zuweilen ausgebildet wurden, um dann den Mont-Cenis-Pass oder den kleinen San Bernardo Pass über das Franche-Comté oder Lothringen kommend, zu überqueren, bis sie schließlich die Niederlande erreichten. Aber kehren wir zu unserem Hotel zurück… Im Laufe der Jahre haben sich diverse spanische Adelsfamilien in Finale angesiedelt mit der Aufgabe, die Truppen, die über das Meer hereinkamen, mit notwendigen Dingen zu versorgen. Diese mussten dann nämlich zu Fuß nach Mailand weiterreisen. So kamen die Alonzos, die Aycardis, die Casanova an, alles typisch spanische Nachnamen, die heute in Finale zu finden sind. Gehen wir nun einen Schritt zurück in das Jahr 1557. In diesen Jahr wird in Spanien José Calasanz Gaston geboren, der heute unter dem Namen San Giuseppe Calasanzio bekannt ist. Nachdem er 1592 das Ordensgelübde abgelegt hatte, kam er nach Rom. Als er dort eines Tages eine Piazza überquerte, wurde er mit der Armut und der erbärmlichen Situation der Kinder konfrontiert. Augenblicklich wurde ihm klar, welches seine Mission war, weshalb er nach Rom kam und seine ferne Heimat verließ. Eine Idee verhaftete sich in seinen Kopf: die Schule. Und so entstand mit wenigen Mitteln in einer Umgebung von Armut im Spätherbst des Jahres 1597 in zwei kleinen Zimmern, die an die Sakristei der Kirche Santa Dorotea in Trastevere angrenzten, „die erste kostenlose Volksschule in Europa“,  o erkennt auch Ludwig von Pastor an: „der Ursprung der ersten kostenlosen Volksschule in Europa“. In einer Zeit, als Bildung ein Privileg der wohlhabenden Gesellschaftsschichten war, während die Kinder der Armen ohne schulische Bildung aufwuchsen, entstand sein Projekt der Schule als Instrument des sozialen Aufstiegs durch Bildung für die Straßenkinder.

Calasanzio gründete somit den Verband der Pie-Schulen, deren Angehörige waren die Pater Scolopi, die Piaristen, vornehmlich Priester, die in der Erziehung und im Schuldienst wirken. Die Idee dieses Verbandes war, dass die Gesellschaft nur mit gebildeten Bürgern ohne jede soziale Benachteiligung vorankommen konnte. Calasanzio war ein Freund des großen Galileo und legte großen Wert auf die Wissenschaften und die Mathematik, sowie die Geisteswissenschaften bei der Ausbildung der Jugend. In Finale gab es keine Schulen, was für die spanischen Adelsfamilien, die weit entfernt von ihrem Heimatland lebten, ein Problem darstellte: Wie konnten sie die Ausbildung ihrer Kinder sicherstellen? Deshalb entschied Andrea Aycardi, „Bürger von Finale, 1673 in Finalborgo geboren“, die Piaristen in seinem Haus in Finalborgo zu beherbergen. So bot er auch den Finalesen die Möglichkeit einer schulischen Ausbildung. Andrea Aycardi nahm jedoch nicht nur die Pater in seinem Wohnhaus auf. Am 26 November 1760 tritt er in den Priesterstand ein, am Vorabend seines Todes legt es das klösterliche Gelübde ab und vermacht Ihnen sein ganzes Vermögen. 1831 ziehen die Pater in das Kloster in der Via Celesia um, das zuvor die Franziskanermönche beherbergte. Die angrenzende Kirche Sant Antonio von Padova, ursprünglich eine Franziskaner Kirche, ging so an die Piaristen über und erhielt den Namen San Giuseppe Calasanzio. Durch den Weggang der Fanziskaner fanden die Piaristen schließlich einen geeigneten Standort für das Internat Aycardi. Religion, Schule und Vaterland stellten die wesentlichen Faktoren des Risorgimento von Savona im 19. Jahrhundert dar. Am 23. Juli 1822 eröffneten die kommunalen Grundschulen, in denen Lesen und Schreiben und das Christentum gelehrt wurde. Die Finalesen hoben sich in besonderer Weise durch das Internat Aycardi hervor, denn sie beherbergten und bildeten eine große Anzahl von Jugendlichen aus, von denen einige Piaristen wurden. Unter ihnen z. B. Pater Serafino Grande, Pater Livio Fanzaga…

1870 mit dem Anstieg der Schülerzahlen, finanzierte die Familie Aycardi den Neubau des Gebäudes, das heute das Hotel Florenz beherbergt. Gleichzeitig wurde die Erbauung einer neuen Kirche nötig, die den Namen Sant Antonio von Padova, dem die Familie sehr ergeben war, erhielt. Das neue Gebäude, durch einen erhöhten Durchgang mit dem Kloster verbunden, diente als Internat und Gymnasium bis mit dem Einsetzen der Schulreform im Jahre 1967 die Piaristen Finale verließen. Durch das katholische Freizeitangebot wurde das Klosters Treffpunkt für viele Jugendliche von Finale, die den heutigen Parkplatz des Hotel als Fußballplatz nutzten. Einige von Ihnen erinnern sich heute noch an den legendären Pater Tasca, der mit geschürzter Kutte den Schiedsrichter mimte. In dieser Zeitreise, zwischen der Geschichte der Machthaber und der Heiligen wird einem bewusst, dass wenn nur eines dieser Elemente ausgeblieben wäre, anstelle des Hotel Florenz, dort heute wohl etwas anderes stünde… wenn die Spanier nicht nach Finale gekommen wären, wenn Flandern ein Teil Frankreichs gewesen wäre … wenn José Calasanz Gaston nicht das Ordensgelübde abgelegt hätte oder Andrea Aycardi in Spanien geboren worden wäre, wenn Lorenzo und Sara nicht das Gebäude der Piaristen gefunden und nie daran gedacht hätten, ein Hotel zu eröffnen.. wo wärt Ihr dann wohl heute, welchen Ort hättet Ihr für Eure Ferien gewählt? Aber das ist eine andere Geschichte…